Die
Elbe (tschechisch Labe, polnisch Laba) ist ein europäischer
Fluss, der in Tschechien entpringt, durch Deutschland fließt
und in die Nordsee mündet. Sie ist der zwölftlängste Fluss
in Europa und gehört zu den 100 längsten Flüssen der Welt.
Da die Elbe nicht in einen anderen Fluss mündet, zählt sie
als Strom. Der Fluss ist heute 1165 km lang und besitzt ein
Einzugsgebiet von etwa 148.000 km².
Nachdem der Fluss Tschechien in einem großen
Südbogen nach Nordwesten hin durchflossen hat, fließt er
durch Deutschland und darin unter anderem über Dresden,
Magdeburg sowie Hamburg und bei Cuxhaven in die Nordsee. Während
der deutschen Teilung bis 1990 war die Elbe auch über längere
Strecke Grenzfluss. Obwohl sie Anfang der 1990er Jahre stark
durch Schwermetalle und chemische Abwässer belastet war, gilt
sie insbesondere im Mittellauf für einen europäischen Fluss
als sehr naturbelassen.
Das Tal der Elbe teilt später den Hauptkamm
des Gebirges vom südlichen und flacheren Böhmischen Kamm auf
kurzer Strecke. Der Böhmische Kamm (oder auch Innere Kamm)
wird von der Elbe genau wie weitere sich abflachende Kämme in
südliche Richtung durchbrochen. Dabei werden auf kurzer
Strecke starke Höhenunterschiede überwunden. In Hradec Králové,
etwa 200 Kilometer südlich der Elbquelle, ist der Fluss dann
bereits auf eine Höhe von 235 Meter über NN gefallen.
Nun beschreibt der Verlauf einen langen
Bogen, anfangs in Richtung Westen, später in Richtung
Nordwesten in einer von den Sudeten eingegrenzten
Beckenlandschaft. Erst in Nordböhmen und Deutschland quert
sie in weiteren Durchbruchstälern die Umrandung der Sudeten.
Der Verlauf der Elbe
Tschechischer Oberlauf
Die Elbe entspringt im Riesengebirge und
verlässt dieses Gebirge in südliche und südöstliche
Richtung, also entgegen ihrer späteren Hauptfließrichtung.
Ab Pardubice verläuft sie nach einem scharfen Knick in
Richtung Westen, nimmt kurz darauf ihre Hauptrichtung auf und
fließt, mit wenigen Ausnahmen, Richtung Nordwesten. Bei Melník
mündet der längste Nebenfluss, die Moldau, auf linker Seite
in die Elbe. Ab Litomerice verläuft die Elbe auf etwa 100
Kilometern Länge in Richtung Norden und verlässt hinter Decín
die Tschechische Republik.
Deutscher Oberlauf
Der deutsche Verlauf beginnt mit einer
Flussbiegung, nachdem die Elbe wieder mehr in Richtung
Nordwesten fließt. Es wird Dresden durchquert und im weiteren
Verlauf nimmt auch das Gefälle immer mehr ab. Der deutsche
Anteil am Oberlauf ist, wenn man ihn geologisch bzw.
geomorphologisch festlegt, sehr klein. Spätestens ab Torgau,
eher schon ab Riesa geht die Elbe in ihren Mittellauf über.
Die IKSE hat 1992 die geografische Gliederung der Elbe
festgelegt. Danach endet der Oberlauf bei Schloss Hirschstein
am Strom-km 96,0.
Mittellauf
Im Mittellauf bewegt sich die Elbe weiterhin
in nordwestlicher Richtung, bis sie bei Magdeburg einen stärkeren
Knick macht, ab dem es etwa 80 km nach Norden, teilweise sogar
nach Nordosten weitergeht. Nach der Mündung der Havel, dem längsten
rechten Nebenfluss, fließt die Elbe wieder in nordwestlicher
Richtung (vergleiche Kapitel "Urstromtäler"). Kurz
vor Hamburg, am Wehr Geesthacht, erreicht die Elbe das untere
Ende ihres Mittellaufs.
Unterelbe
In Hamburg bildet die Elbe quasi ein
Binnendelta, indem sie sich für etwa 15 Kilometer in die
Norder- und Süderelbe aufteilt. Dazwischen befindet sich der
bedeutende Seehafen Hamburgs, und obwohl die Nordsee noch über
100 Kilometer entfernt ist, ist dieser Abschnitt schon
deutlich maritim geprägt, weist zum Beispiel Gezeitenwirkung
auf. Nach dem Hamburger Binnendelta fließt der Unterlauf
wieder vereint weiter und mündet in einer langen Trichtermündung
in die Nordsee, ohne die Grundrichtung zu ändern. Die Öffnung
der Mündung ist zwischen Cuxhaven und Dithmarschen etwa 15
Kilometer breit. Die offizielle Länge der Elbe beträgt
1091,47 km (IKSE, 1995). Die Zahl von 1165 km (s.o.) ist
veraltet.
Flussregulierung, -begradigung, Deichbau
In Tschechien ist die Elbe über 19
Staustufen stark reguliert. Ziel ist es, die Elbe dort so weit
wie möglich schiffbar zu halten. Als weiteres Argument für
die Wehre wird der Hochwasserschutz angeführt. Allerdings ist
fraglich, ob das Anstauen eines Flusses in der Hinsicht nicht
eher kontraproduktiv ist, weil sich dadurch Hochwasserscheitel
stauchen und erhöhen könnten. Aus biologischer Sicht sind
solche Bauwerke ohnehin sehr negativ zu bewerten (vgl.
„Fischbestand“).
Im deutschen Flussverlauf befinden sich mit
Ausnahme der 1960 zum Schutz vor Tideeinfluss gebauten
Staustufe bei Geesthacht südöstlich von Hamburg keine
weiteren derartigen Querbauwerke zur Flussregulierung. Im
Vergleich zu Rhein oder Weser ist die Elbe damit über eine
große Strecke von 600 Kilometern in dieser Hinsicht
unreguliert. Allerdings ist das Gefälle in dem Bereich meist
auch so gering, dass Staustufen keine große Wirkung hätten.
Vielmehr wird über Buhnen überall entlang des Ufers
versucht, die Elbe zu beschleunigen. Dadurch soll der Fluss
sein Flussbett selber auswaschen und weniger Sediment
ablagern, so dass die Wassertiefen in der Fahrrinne erhalten
werden können. Ein Ergebnis ist allerdings, dass sich die
Elbe immer weiter in den Bodengrund eintieft und dadurch den
Grundwasserstand absenkt, was zu einer allmählichen
Austrocknung der Auenlandschaft führt. Dabei spielt die
Mittelelbe im Abschnitt zwischen dem Elbe-Havel-Kanal und
Lauenburg für die Schifffahrt eigentlich kaum eine Rolle, da
der Frachtverkehr über die eigens angelegten Kanäle geführt
wird. Es gilt auch zu bedenken, dass die Elbe regelmäßige
sommerliche Niedrigwasserperioden aufweist (s. o.), die die
Schifffahrt zum Erliegen bringen. Ein „Rückbau“ der
Buhnen statt eines weiteren Ausbaus der Elbe zu einer durchgängigen
„Wasserstraße“ wäre insofern ökologisch und ökonomisch
geboten.
Im Interesse der Schifffahrt wurde die Elbe
im 19. und 20. Jahrhundert auch um etliche Kilometer verkürzt,
indem Schlingen und Mäander abgeschnitten und so der Verlauf
begradigt wurde. Lediglich ein kurzer Abschnitt zwischen den
deutschen Fluss-Kilometern 506 bis 520 (Dömitz-Hitzacker)
blieb davon aufgrund des Zweiten Weltkrieges und der deutschen
Teilung bisher gänzlich verschont.
Eine weitere Maßnahme des Menschen zur
"Zähmung" des Flusses ist die Befestigung der Ufer
mit Steinschüttungen und -packungen. Auch dies soll Erosionen
und Flussbettverlagerungen verhindern, erhöht aber
gleichzeitig auch die Fließgeschwindigkeit. Zudem gehen
wertvolle Uferlebensräume für Tiere und Pflanzen verloren
oder können wegen der ausbleibenden Flussdynamik gar nicht
erst neu entstehen. Die intensive Nutzung des Unterlaufes als
Wasserstraße erfordert zumindest in diesem Abschnitt
allerdings verstärkte ufersichernde Maßnahmen.
Im Oberlauf ist die Elbe durch Mittelgebirge
eingegrenzt, weshalb sie in diesen Abschnitten nirgendwo in größerem
Maßstab eingedeicht ist. Längere Deichanlagen in Deutschland
beginnen im westlichen Dresdner Stadtteil Gohlis. Vorher wird
die Elbe in gewisser Hinsicht durch den Bahndamm der
Elbtalbahn "eingedeicht". Im Mittel- und Unterlauf
legte der Mensch bereits im Mittelalter erste Deiche an, um
dem Fluss Siedlungsraum und später auch landwirtschaftliche
Flächen abzutrotzen. Im Lauf der Zeit wurden die Deiche immer
weiter perfektioniert und näher an den Fluss gerückt. So
fehlen der Elbe heute allerdings weite Bereiche ihrer ursprünglichen,
oft zwanzig Kilometer breiten Aue, so dass Hochwasserschäden
aufgrund fehlenden Raumes für den Fluss hier letztlich auch
menschengemacht sind.
Die Deiche des Unterlaufes dienen weniger
einem Hochwasserschutz gegen die Elbe von ihrem oberen
Einzugsgebiet her als vielmehr dem Schutz vor Sturmfluten und
stark auflandiger Wetterlagen von der Nordsee, die sich weit
elbaufwärts bemerkbar machen können. Entsprechend sind diese
Seedeiche stärker dimensioniert.
Das Elbtal als Verkehrsweg
Die Bedeutung des Elbtals als Verkehrsweg
schwankt regional sehr stark. Dort, wo der Fluss Gebirge
durchbricht, ist er bestimmend als Linienführung für
Verkehrswege. Insbesondere Eisenbahnstrecken folgen dem Tal,
weil sie auf geringere Geländeneigungen angewiesen sind. Als
Beispiel dafür sei die Passage durchs Elbsandsteingebirge als
bedeutende Ferneisenbahnstrecke genannt. Der Mittel- und
Unterlauf, der sich durch flachere Regionen windet, spielte
keine große Rolle bei der Anlage von parallelen
Eisenbahnstrecken und Autobahnen. Gleisstrecken wurden so
angelegt, dass sie viele Städte erreichen und nicht hauptsächlich
dem Flusstal folgen müssen. So gibt es zum Beispiel keine
Ferneisenbahnstrecke zwischen Dresden und Magdeburg, die
entlang der Elbe verlaufen würde. Vielmehr verbindet die
Relation Dresden - Magdeburg Städte wie Leipzig und Halle
(Saale). Zwischen Decín und der Moldaumündung gibt es in
Tschechien Eisenbahnstrecken auf beiden Elbseiten ähnlich wie
beim Mittelrhein.
Als internationales touristisches Projekt
wurde der Elberadweg, der zwischen Melník und Cuxhaven der
Elbe folgt, eingeführt und ausgebaut. Seine Gesamtlänge an
der Elbe - der Weg beginnt 50 km südlich der Elbe in Prag -
beträgt etwa 930 km.
Bundeswasserstraße Elbe
Die Elbe ist eine der 28 Bundeswasserstraßen
in Deutschland. Eine hohe Bedeutung als Verkehrsweg genießt
sie für das Binnenland Tschechien, das sich über die Elbe an
den Welthafen Hamburgs anschließt. Deshalb drängt die
Tschechische Republik darauf, dass Deutschland die Elbe so
ausbaut, dass sie längere Zeit im Jahr schiffbar wird. Dies wäre
nur zu erreichen, wenn die Elbe weiter begradigt, vertieft und
mit Staustufen versehen würde.
Eine der schwierigsten Passagen für die Schifffahrt ist der
Flussbogen vor der Dresdner Altstadt wegen der hohen Fließgeschwindigkeit
und der dicht hintereinander liegenden Bogenbrücken. An
dieser Stelle können Schiffe auch geschleppt werden. Der noch
unbegradigte Abschnitt zwischen der Havelmündung und
Hitzacker bereitet Flussschiffern ebenfalls Probleme, etwa der
so genannte "Böse Ort" - ein schmaler 90°-Knick
bei Schnackenburg.
Weite Strecken des Mittellaufs weisen heute
kaum gewerblichen Schiffsverkehr auf. Dieser wird überwiegend
über vorhandene Kanäle wie den Elbe-Seitenkanal, den Elbe-Lübeck-Kanal
und den Mittellandkanal geführt. Ein Ausbau der Elbe in
diesem Abschnitt wäre ökonomisch und ökologisch daher sehr
fragwürdig.
Das Wasserstraßenkreuz Magdeburg ist einer der bedeutendsten
Wasserverkehrsknoten in Europa und lässt ein Überqueren der
Elbe in Ost-West-Richtung zu. Es schließt den Mittellandkanal
und den Elbe-Havel-Kanal an die Elbe an. Über diese Kreuzung
ist die Elbe indirekt mit der Oder, dem Rhein, dem Main und
der Donau verbunden.
An der Elbe gibt es fünf Wasser- und
Schifffahrtsämter. Diese sind in Dresden (verantwortlich für
die deutschen Flusskilometer 0 bis 290), Magdeburg (KM 290 bis
502), Lauenburg (KM 502 bis 607), Hamburg (KM 638 bzw. 632
linkes Ufer bis 689) und Brunsbüttel (KM 689 bis 727).
Wichtige Häfen
Der Hamburger Hafen liegt etwa 110 km
flussaufwärts der Mündung. Er ist der zweitgrößte Seehafen
in Europa und bietet Liegeplätze für 320 Seeschiffe, von
denen 38 für große Containerschiffe vorgesehen sind.
Zwischen Hamburg und der Nordsee befinden sich einige kleinere
Seehäfen. Ein solcher Hafen für Fracht befindet sich zum
Beispiel in Brunsbüttel.
Die Häfen an der Elbe von Hamburg flussaufwärts
dienen einzig der Binnenschifffahrt. Der Magdeburger Hafen
wird so ausgebaut, dass seine Wassertiefe unabhängig vom
Elbpegel wird. Dadurch soll erreicht werden, dass er für
Binnenschiffe, die vom Mittellandkanal oder vom
Elbe-Havel-Kanal einlaufen, zum Liegeplatz wird, wenn die Elbe
extreme Wasserstände führt. Weitere bedeutendere Binnenhäfen
sind in Riesa, Dresden (Alberthafen) und Decín. Im Jahr
wurden in diesen drei und weiteren drei Häfen, die in einem
Verbund betrieben werden, 2,35 Mio. Tonnen Fracht
umgeschlagen. Während für die Häfen in Magdeburg, Dresden
und Riesa alte Elbarme genutzt werden, befindet sich der Hafen
in Decín auf Grund des engen Tals direkt am Ufer der Elbe.
Vor dem Dresdner Terrassenufer befinden sich
die zentrale Anlegestelle der Weißen Flotte und weitere
Anleger für Hotelschiffe. Sie ist die größte Anlegestelle
im Linienschiffverkehr der Elbe nach den Landungsbrücken in
Hamburg. Im Gegensatz zu den Landungsbrücken in Hamburg
werden die Anleger in Dresden nach wie vor so genutzt, wie
ursprünglich vorgesehen.
Elbmündung
Die Elbmündung besitzt aus zwei Gründen
eine hohe Bedeutung für die Seeschifffahrt: Zum einen ist der
Trichter der Zugang zum Hamburger Hafen, zum anderen befindet
sich in der Mündung auf rechter Seite der Zugang zum
Nord-Ostsee-Kanal. Der untere Teil der Elbmündung gehört
deshalb zu den am stärksten befahrenen Wasserstraßen in
Europa. Die Elbmündung ist über drei bis zu 45 Meter hohe
Feuerschiffe von offener See her markiert. Große
Containerschiffe werden mit Hilfe ortskundiger Lotsen und mit
Schleppern durch die Wasserstraßen gelenkt. In Hamburg
ankommende Schiffe passieren die Schiffsbegrüßungsanlage
Willkomm Höft, eine lokale Besonderheit in Wedel. Abfahrende
werden entsprechend verabschiedet.
Die Elbmündung ist permanent für Schiffe
bis zwölf Meter Tiefgang befahrbar. Durch die schon
eintretenden Tiden lässt die Unterelbe auch höheren Tiefgang
bei Flut zu. Der Tidenhub beträgt normalerweise 3,7 Meter,
weshalb sich der maximale Tiefgang bei Flut etwa um 1,8 Meter
erhöht. Die Mündung muss ständig ausgebaggert werden, damit
die Tiefe erhalten bleibt. Zwölf Meter Tiefgang sind gerade für
moderne Containerschiffe nicht mehr ausreichend, weshalb ein
tieferes Ausheben der Elbe diskutiert wird. Obwohl der Mündungstrichter
bis zu 15 km breit ist, bleibt dem Schiffsverkehr auch dort
nur eine relativ enge Fahrrinne; den Rest nehmen breite Wattbänke
wie der Medemsand ein. Da sich die letzte Brücke in Hamburg -
also 110 km vor der Mündung - befindet, herrscht im Mündungstrichter
zudem ein starker querender Fährverkehr zwischen
Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
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