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Frachter treibt hilflos im Hafen 28.02.10

Von Andreas Schuller

Nach der Schneeschmelze kommt die mächtige Strömung: Das wurde einer Schiffscrew auf einem holländischen Frachtschiff am Samstag zum Verhängnis.

Zeil - Bei Schneeschmelze drücken gewaltige Wassermassen in die Flüsse. Die mächtige Strömung reißt dann alles mit sich fort. Das wurde einer Schiffscrew auf einem holländischen Frachtschiff am Samstag zum Verhängnis. Beim Beladen mit Getreide rissen Taue, das Schiff löste sich vom Ufer, trieb quer in die Fahrrinne und rammt ein anderes Schiff.

Das 85-Meter Schiff "Leho 2" hatte im Zeiler Hafen nachmittags schon Tonnen von Getreide geladen. Hinten im Heck, wo sich Motor, Ruder und Schiffsschrauben befinden, wird wegen der Manövrierfähigkeit stets zuerst beladen, dann erst werden die Frachträume Richtung Bug befüllt. So musste der Frachter zum weiteren Beladen nach hinten gegen die Strömung zurückgesetzt werden, um dadurch an den Ladekran näher heranzukommen.

Ein Ehepaar aus Sand beobachte zufällig die an sich alltägliche Szenerie, die sich dann zum nervenaufreibenden Samstagskrimi im Zeiler Hafen entwickeln sollte. "Gegen 17.15 bewegte sich "Leho 2" volle Kraft rückwärts. Die armdicken Schiffstaue spannten sich zusehends und knirschten verdächtig. Urplötzlich machte es einen furchtbaren Knall wie von einer riesigen Peitsche und die hinteren Taue waren zerrissen wie Wollfäden.

"Binnen weniger Minuten wurde das Schiff quer in Richtung Südufer getrieben", so die Augenzeugin aus Sand. Die Männer an Bord seien laut schreiend auf Deck hin und her gelaufen. Gegen die starke Strömung hatten Kapitän und die Crew aber keinerlei Chance. Mit zerbrochenem Ruder lag die "Leho 2" nun regelrecht verkeilt quer zur Fahrrinne.

Hochwasserwarnungen für die Mainufer waren schon am Freitag von den Schifffahrtsämtern herausgegeben worden. Kapitäne, Steuermänner und die Crews müssen dann besonders auf der Hut sein vor möglichem Abdriften an die Uferbänke.

Die reißende Mainströmung hatte die Crew der "Leho 2" dennoch völlig unterschätzt. Feuerwehren aus Zeil, Sand und Haßfurt waren schon kurz darauf an die Unglücksstelle geeilt. Ein Rettungsboot der Zeiler Wehr kreuzte ebenfalls im Hafen. Polizei- und Rettungskräfte standen bereit. Dutzende Schaulustige säumten das Hafengelände. Auch Bürgermeister Christoph Winkler und Hafenmeister Günter Bier ließen sich vor Ort über die Lage vor aufklären.

Was konnte getan werden? Die größte Aussicht, das havarierte Schiff wieder längsseits zu bringen, hatte der Vorschlag des Kapitäns eines weiteren Frachtschiffes, das seit Tagen im Zeiler Hafen vor Anker lag. Kapitän Boer wollte versuchen, mit seinem 110 Meter langen Frachtschiff "Century" das mit Bug und Heck verkeilte Schiff vom Ufer gegen die Strömung wegzuziehen.

Der Beauftragte des Schweinfurter Wasser- und Schifffahrtsamtes, Ohmert, sah ebenfalls vorerst keine andere Lösung. Das Unterfangen erwies sich allerdings als schwieriger als zunächst angenommen. Trotz dreier Schiffschrauben, zusätzlicher Bugstrahler und immerhin 3200 PS, gelang es der "Century" zunächst nicht, den havarierten Frachter vom Südufer loszulösen.

Vielmehr krachte es abermals - wieder waren armdicke Taue gerissen. Tragischerweise hatte der Kapitän der "Leho 2" inzwischen einen Schwächeanfall erlitten, so dass Rettungskräfte an Bord gehen mussten. Kein lebensbedrohlicher Zustand, wie sich später herausstellte. Die Rettungsaktion verzögerte sich dadurch weiter bis in die Abendstunden.

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